Ornithologischer Grundkurs

Im Herbst 2019 startete die Anmeldung für den Grundkurs der Ornithologie. Also dem Kurs, in welchem die Bestimmung der 60 häufigsten Vogelarten der Schweiz gelernt werden kann. Schon bald war der Kurs gefüllt, bis zum Start erstellte ich zusätzlich eine Warteliste, welche so gross war, dass gleich nochmals zwei Kurse hätten durchgeführt werden können. Doch auch schon der einzelne wurde zu einem ungewöhnlichen Kurs. An der Wasservogelexkursion im Februar 2020 sprach für einmal niemand von H5N1 (Vogelgrippe), eine neue Buchstabenformel (Sars-Cov-2) machte die Runde. Die Exkursion war wunderschön, insbesondere der Eisvogel wärmte alle Herzen an dem sonst doch recht kalten Tag. Auch Bekassinen, Pfeif- und Löffelenten erfreuten die neuen Vogelkundlerinnen. Im März, am Waldtheorieabend, zeigte sich dann die wahre Wirkung des neuen Virus und ich musste den Kurs um ein ganzes Jahr verschieben. Viele blieben ihm auch im Jahr 2021 treu, doch war es uns vergönnt, die Theorieabende in einem Lokal physisch zu machen. Ich musste via Zoom die Vorträge an die Teilnehmer bringen. Als Wiedereinstieg starteten wir den Kurs 2021 bei schönstem Wetter mit einer Wasservogelexkursion am Seerhein. Danach ging es weiter mit der Waldvogelexkursion, welche leider etwas der Witterung zum Opfer fiel. So fiel über Nacht nochmals etwas Schnee und es war eisigkalt. Verständlicherweise hatte kaum ein Vogel Lust zu singen – ausser einem sehr schrägen Kerl, den ich bis heute nicht bestimmen konnte. Klar waren der Schwarzspecht, die Erlenzeisige und die leider nicht singenden Drosseln schön. So ein richtiges Frühlingskonzert war es aber bei weitem nicht. Witterungsglück hatten wir dann an der Siedlungsraumexkursion. Aber ehrlich gesagt, wenn wir heute zurückblicken, wann hat es eigentlich nicht geregnet im 2021?? In Weinfelden bei den Siedlungsvögeln war es tatsächlich trocken und die eine oder andere Teilnehmerin konnte sich sehr gut die Mönchsgrasmücke einprägen. Auch die Finken gaben alles und schliesslich konnte ich die Türkentaube anzeigen, für welche wir anfänglich erfolglos einen extra Abstecher gemacht hatten. Zum Glück wurde das Leben wieder etwas angenehmer im Frühsommer und so konnte ich alle Teilnehmer nach der Kulturlandexkursion bei mir zu Haus in Weerswilen zu einem Kaffee einladen. Diese Exkursion hatte es richtig drauf: Bluthänfling, Zaunammer, Trauerschnäpper, Grauschnäpper – nur der Gartenrotschwanz, der erfolgreich in einem Obstgarten brütete, liess sich an diesem Morgen nicht blicken. Zum Abschluss dann die Sumpfgebietsvögel an den Bommer Weihern. Auch da konnten wir sehr viele Vögel in vollen Zügen geniessen: Kuckuck, Pirol, Feldlerche, Flussregenpfeifer, Rohrammer, Teichrohrsänger um nur einige davon zu nennen. Und was bleibt am Schluss: Trotz allen Widrigkeiten haben wir in der Gruppe die sozialen Kontakte genossen, die regen Austausche über all die vielen Themen ausserhalb der Vogelwelt leidenschaftlich mitgetragen, ein bisschen das Feuer für die Vögel entfachen und wer weiss, vielleicht ein neues Mitglied für unseren Verein oder eine weitere Stimme für unsere Umwelt gewinnen können.

Oktober 2021 Renato Winteler

 

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